Literaturvermittlung 2.0 – Lesenswertes spielerisch an den Mann / die Frau gebracht
Dienstag 15. März 2011 von Hannes H.M. Endress
Weltweit hat sich die moderne Schnitzeljagd (Geocaching) mittlerweile etabliert. Mit GPS-Empfängern jagen zahlreiche Schatzsucher quer durch die Welt, kämpfen sich durch unwegsames Gelände, lösen Rätsel, haben Spaß.
Allerdings birgt diese Art der Freizeitgestaltung ein noch viel größeres Potential, als den Abenteuerfaktor. Mit den so genannten Worldcaches, die den Jäger an besonders sehenswerte Naturphänomene führt, bedient das Geocaching bereits pädagogische Ansätze. Genau so ließen sich aber nun auch die unterschiedlichsten Fachrichtungen versorgen wobei der Bildungseffekt zwar meist nicht gezielt, sondern ehr unterschwellig zum Einsatz käme.
Ich selbst bin zwar erst seit kurzer Zeit in dieser weltweiten Community zuhause, wage aber mittlerweile zu behaupten, daß die Auswahl der Caches meist auf geographischen Gesichtspunkten beruht. Was in der Nähe ist oder auf dem Weg liegt wird “schnell mal mitgenommen”. Eine thematische Auswahl findet dann ehr bei der Freizeitgestaltung am Wochenende statt. Daher unterstelle ich der Bildungsabsicht eine ehr unterschwellige Natur, was an dieser Stelle aber nicht negativ verstanden werden soll. Auch wenn die Wahl nur zufällig auf einen Cache fällt, so vermag ein gut konzipiertes Versteck sicher das ein oder andere Mal Interesse am spezifischen Thema zu wecken.
Für mich persönlich ist aus fachspezifischer Sicht vor allem die literarische Themenrelevanz aus Sicht der Literaturvermittlung interessant. Dieser Artikel kann sicher noch kein umfassendes Bild zeichnen, wohl aber als Vorüberlegung zu einem tieferen Einstieg in das Thema anregen. Aber welche Möglichkeiten könnte die Schatzsuche für Jedermann bieten?
1. Viele Städte haben berühmte Söhne. Bamberg den Hoffmann, Schweinfurt den Rückert, usw. Hier bieten die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten für einen Cache genau so unterschiedliche Anknüpfungspunkte. So kann man mit einem sogenannten Multicache den Sucher auf den Spuren von Literaturschaffenden wandeln lassen, das Leben und Wirken von Autoren näher bringen und möglicherweise sogar Interesse am Werk des dementsprechenden Verfassers wecken.
Ebenso wäre auch ein konkreter Cache zu einem einzelnen Werk denkbar. So ließe sich zum Beispiel wohl sehr gut die Geschichte der Buddenbrooks in Auszügen nachvollziehen lassen, um nur eine Idee zu nennen. Aber auch Bezüge zu literaturwissenschaftlichen Themenbereichen oder zum Literaturbetrieb an sich können mit ein wenig Kreativität sehr anspruchsvoll und qualitätiv hochwertig hergestellt werden.
2. Geocaching könnte gezielt als alternative Unterrichtsform oder Weiterbildungsmaßnahme genutzt werden. Zwar wird dies mittlerweile bereits hauptsächlich in Teamweiterbildungn genutzt, findet meines Wissens aber im schulpädagogischen Sektor, wenn überhaupt, nur vereinzelt Anwendung. Hierzu sollte es für geschulte Pädagogen ein leichtes sein, Aufgaben dementsprechend altersgemäß zu entwickeln. Darüber hinaus könnte man so die zwei berühmten Fliegen mit der ebenso berühmten Klappe erschlagen. Da das Geocaching als so genannte Outdoor-Aktivität konzipiert ist, könnte so auch dem so vielfach beklagten Bewegungsmangel der Schülergeneration begegnet werden. Kritische Stimmen werden an dieser Stelle bestimmt auf die Versicherungsproblematik und die Aufsichtspflicht hinweisen. Zwar kann ich an dieser Stelle auch hierfür noch keine konkreten Lösungsansätze bieten, aber immerhin anmerken, daß die Probleme nicht unbeachtet bleiben.
Darüber hinaus lassen sich bestimmt noch viele Ideen finden und verwirklichen. Was ich aber nun konkret selbst tun, beobachten, “erforschen” möchte:
1. Für mein erstes Projekt bietet sich das handliche Format und der günstige Preis der Ausgaben aus dem Reklam-Verlag förmlich an. Ausgewählte Werke möchte ich hier als so genannte Travelbugs auf die Reise schicken, entweder mit konkreten Aufgaben verbunden, oder einfach nur um Eindrücke der Leser zu sammeln und Interesse für das spezifische Werk zu wecken.
2. Ich selbst werde verstärkt, natürlich sofern möglich, versuchen, Caches mit literarischem Bezug zu finden, zu lösen und zu analysieren. Eines der ersten Projekte in dieser Hinsicht wird wahrscheinlich der “E.T.A. Hoffmann Cache” in Bamberg sein.
3. Sofern Zeit und Umstände es zulassen, werde ich versuchen selbst Caches zu unterschiedlichen literarischen Themen für verschiedene Zielgruppen zu entwickeln, um damit verschiedene pädagogische Ansprüche zu bedienen.
Über Fortschritte und Ergebnisse werde ich natürlich hier im Blog berichten und bin für jegliche Unterstützung, Anregung und Kritik dankbar.
Kategorie: Allgemein, Geocaching, Ideen und Konzepte | Keine Kommentare »


